— Kapitel II —

Logbuch

Datierte Notizen aus der Arbeit am Hafen.

« It's all about intel. Real-world alpha. The digital world is a commodity. » compound248
Aquarell eines Schreibtischs mit aufgeklapptem Laptop, Charts auf dem Bildschirm, Espressotasse, Wiesenblumen in einer kleinen Vase.
Tafel II Der Schreibtisch, an dem die Notizen entstehen. Espresso, Wiesenblumen, Telefon mit ausgeschaltetem Klingelton.
  1. 2026-04-19 Werkstatt-Notiz Süddeutschland · NRW

    Konrad, siebenundsechzig, sollte gegen Jahresende zweihundertfünfzigtausend Euro auf eine eigentlich schuldenfreie Immobilie im Wert von eins Komma fünf Millionen aufnehmen. Die Hausbank verlangte vier Wochen, ein Bewertungsverfahren und ein Gespräch mit zwei Generationen seiner Familie. Wir lösten es in elf Tagen über eine Liechtensteiner Struktur, die seine Tochter — nicht er selbst — als spätere Begünstigte adressiert. Die Hausbank hat hinterher angerufen und gefragt, wie das möglich war. Ich habe zurückgerufen.

    — M. F.
  2. 2026-04-12 Steuer-Notiz DE / CH

    Ein häufiger Trugschluss, der teuer wird: Eine Beteiligung von dreißig Prozent an einer Schweizer AG sei erbschaftsteuerlich begünstigtes Betriebsvermögen. Sie ist es nicht. § 13b Abs. 1 Nr. 3 ErbStG verlangt Sitz oder Geschäftsleitung in EU oder EWR. Die Schweiz gehört zu keinem von beiden. Im plötzlichen Erbfall fällt Erbschaftsteuer wie ein Brett auf den Tisch. Lösbar zum Beispiel durch eine gewerblich geprägte GmbH & Co. KG, in welche die Beteiligung eingelegt wird; auf dieser Ebene ist die EU-Zugehörigkeit nicht mehr erforderlich. Wer das nach dem Erbfall lernt, lernt es zu spät.

    — M. F.
  3. 2026-04-05 Markt-Beobachtung DACH

    Vier Anschreiben in einer Woche, alle an denselben Inhaber eines profitablen Wartungsbetriebs in Nordrhein-Westfalen. Drei davon aus dem INSEAD-Verzeichnis, eines von einer Search-Fund-Equity in London. Was sie gemeinsam haben: keines erwähnt die Belegschaft. Keines fragt nach der Halle, in welcher der Inhaber seit 1989 jeden Werktag um halb sieben steht. Keines benutzt seinen Vornamen. Wer Lebenswerke jagt wie Aktienpakete, wird Lebenswerke verlieren wie Aktienpakete. Das ist die Lücke, die wir bedienen.

    — M. F.
  4. 2026-03-28 Lese-Notiz FAZ · Welt · CNBC

    Zwei Artikel in einer Woche, die zusammengelesen werden sollten: « Erben statt erarbeiten — die riskanten Tendenzen am Standort Deutschland » in der Welt, und « Wealthy inheritors plan to fire their parents' wealth advisors » bei CNBC. Die Kernaussage ist auf beiden Seiten des Atlantiks identisch: die Generation, die übernimmt, hat weder das Verhältnis zur Arbeit noch zum Berater ihrer Eltern. Die Konsequenz für den Patriarchen, der sich heute Gedanken macht, ist klar: bauen Sie zu Lebzeiten eine Beziehung auf, die Ihre Erben mit Ihnen, nicht ohne Sie, fortsetzen wollen. Ein Anbieterwechsel der nächsten Generation ist nicht ein Risiko — er ist eine Statistik.

    — M. F.
  5. 2026-03-19 Hafen-Notiz Vaduz · Singapur

    Aquarell des Glacier Express auf dem Landwasser-Viadukt im Schnee.
    Der lange Weg ist oft der ruhigere.
    Ein Mandant, dreiundsiebzig, fragte mich, ob es heute noch sinnvoll sei, « in den Süden zu ziehen », nachdem die Immobilien in Mallorca und in Portugal über die letzten zehn Jahre die bekannte Reise hinter sich haben. Meine Antwort: nicht ziehen — Schlüssel halten. Eine geteilte Verfügbarkeit über drei oder vier ruhige Häuser in unterschiedlichen Klimata und Rechtsordnungen ist heute günstiger als ein einziger Zweitwohnsitz, und sie ist im Ernstfall schneller. Konzierge und Verfügbarkeit sind das neue Eigentum. Liechtenstein im Frühling, Singapur im Herbst, Bali im November — und in Zürich, wenn die Enkel kommen.

    — M. F.
  6. 2026-03-08 Werkstatt-Notiz FL

    Ein Patriarch, einundsiebzig, wollte begreifen, was eine Multi-Signature-Wallet eigentlich ist. Wir setzten uns für drei Stunden an seinen Esstisch in Bregenz. Am Ende verstand er, dass es im Kern nichts anderes ist als das Vier-Augen-Prinzip, das er seit dreißig Jahren auf seinen Banküberweisungen führt — nur ohne die Bank. Die Fragen, die er dann stellte, waren gut: Was passiert, wenn ich morgen nicht mehr aufwache? Wer hat dann den zweiten Schlüssel? Ich antwortete so genau, wie er es verdient hatte. Wir bauten am selben Abend einen Wiederherstellungs-Pfad, der seine Schwiegertochter, seinen Notar und mich umfasste. Drei Schlüssel, zwei Unterschriften. Er schlief die Nacht besser.

    — M. F.
  7. 2026-02-22 Steuer-Notiz FL · DE

    Die Inter-IKEA-Foundation in Liechtenstein hält auf ihrer Seite einen Satz fest, den jede unternehmensverbundene Stiftung wörtlich übernehmen sollte: « If any family member becomes employed in any of the businesses owned by Inter IKEA Foundation, they would only be eligible for a salary under the same terms as any other co-worker. » Wer Familie und Unternehmen sauber trennt, schützt beide. Die häufigste Beratungslüge im deutschsprachigen Raum lautet, dass eine Stiftung den Patriarchen aus dem Spiel nimmt. Tut sie nicht. Sie ordnet das Spiel. Würth ist mit neunundachtzig der lebende Beweis.

    — M. F.
Aquarell eines Murmeltiers, das aufrecht auf einem Stein in den Bergen sitzt.
Aufmerksam, aber nicht nervös.

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